SK unterwegs – ein Besuch in der Gedenkstätte KZ Osthofen

2. Februar, der Termin war zwar vorgeschlagen, aber er hat besonders gut gepasst. Sechs Tage nach dem 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz. Vier bzw. zwei Tage nach den Debatten im Bundestag. Einige Delegierten aus dem Sprecher*innenkreis machten sich auf den Weg nach Osthofen, um die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Osthofen zu besuchen und zu begreifen, was dort passiert ist. Welche Gräueltaten der Nazis sich dort schon im März 1933 vollzogen haben.
Die letzte Reichstagswahl fand am 5. März 1933 statt, am 8. März 1933 schon wurde die ehemalige Papierfabrik genutzt, um erste Gefangene im Gebäude zu internieren. Vor allem Mitglieder der SPD und der KPD, aber auch Gewerkschafter, Juden, Zeugen Jehovas und Sinti wurden aus den Betten gejagt, vom Arbeitsplatz geholt, wurden durch den Ort getrieben und in der Lagerhalle der Fabrik untergebracht. Zuerst auf dem nackten Beton, dann mit ein wenig Stroh, dass als Unterlage zum Schlafen in der Lagerhalle diente. Dann später durften sich die Häftlinge aus Sperrmüll „Betten“ bauen. In dieser Halle war es auch am 2. Februar kühler als draußen. Die Feuchtigkeit und die Salpeterausdünstungen waren schon damals, so sagten Zeitzeugen, beschwerliche Beeinträchtigungen.


Auf Grund dieser Zeitzeugen wissen wir heute sehr viel vom Leben im Lager. Von den Demütigungen auf dem Appellplatz, von dem „Latrinen leeren“ mit dem eigenen Essgeschirr, von dem „Nagel gerade schlagen, um ihn direkt anschließend wieder „krumm“ zu schlagen. Die politischen Gegner und die von den Nazis verachteten Menschen wurden in Osthofen zwar nicht getötet, aber menschenunwürdig behandelt, misshandelt und oft für das Leben gebrochen. Auch die Auseinandersetzung mit den Tätern war Teil unserer Führung. Die Biographie des Lagerleiters Karl d`Angelo, die Aufgaben des Lagerarztes und die Brutalität des Wachpersonals waren Themen beim Rundgang.
In Osthofen funktioniert die Erinnerungsarbeit über die Geschichten der Inhaftierten, die zum Teil noch dafür gesorgt haben, dass sich eine Gedenkstätte dort etablieren konnte. 1972 schloss sich eine Gruppe ehemaliger Häftlinge zusammen und organisierte eine Kundgebung vor dem Tor, um an das ehemalige KZ zu erinnern. Bis 1991 dauerte es, bis das Land Rheinland-Pfalz das Areal kaufte und damit die rechtlichen Voraussetzungen für eine Gedenkstätte schuf.
Das KZ-Osthofen war ein sogenanntes „wildes Lager“, kein Arbeits-, kein Vernichtungslager, schnell sollten die Feinde der Nazis aus dem Verkehr gezogen werden, es diente der Demütigung und der Abschreckung von Menschen mit anderen Anschauungen, anderer Religionszugehörigkeit und derer, die den Nazis nicht „völkisch“ genug waren. Das Lager wurde schon im Sommer 1934 wieder geschlossen. Einige der Häftlinge wurden entlassen, andere kamen in Konzentrationslager, die „besser organisiert“ waren und als Arbeitslager dienten und vor allem, die nicht mitten in einer Ortschaft lagen, wie das Lager in Osthofen.
In der Gruppe aus dem Sprecher*innenkreis waren bereits viele in NS-Gedenkstätten gewesen. Und dennoch, der Besuch in Osthofen, ganz in der Nähe, bei Worms war extrem wichtig und beeindruckend für alle, die dabei waren. Einmal die Gedenkstätte KZ-Osthofen zu besuchen, lohnt sich. Solche Momente der Gedenkarbeit halten in einer Zeit, in der der Faschismus wieder wächst, die Sinne wach und motivieren, sich zu engagieren, für eine Demokratie, für die es sich einzusetzen lohnt – NIE WIEDER IST JETZT!
