Schlaglicht

Schlaglicht

Es gibt Tage, die bleiben in Erinnerung. Im November kam morgens die Nachricht, dass Trump zum zweiten Mal zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde und am gleichen Tag am Abend platzt in Deutschland die Regierungskoalition. Am 29. Januar fällt mit dem Migrationsbeschluss von CDU mit Stimmen der AfD zum ersten Mal im Nachkriegsdeutschland die Brandmauer.

Am Abend des gleichen Tages präsentieren in Rockenhausen zwei Journalisten ihr Buch über die schleichende Unterwanderung Deutschlands durch die AfD. Das Buch ist eine brillante Recherche über die antidemokratischen Umtriebe der Rechtspartei, die mit zunehmendem Erfolg die freiheitlich-demokratische Ordnung untergräbt. Es kann niemand mehr sagen, wir hätten es nicht gewusst.

Doch was ist zu tun? Nur Empörung, Demonstrationen und Resolutionen scheinen nicht mehr auszureichen, so wichtig sie auch sind und bleiben werden. Ebenso sind wir genug informiert, dass Rechtspopulisten die fantastischen Projekte „Demokratie“ und „Europa“ zerstören wollen. Aber ich bin es leid, mich nur zu empören und mich in meiner Überzeugung bestätigen zu lassen, dass die AfD mit Füßen tritt, was das christliche Menschenbild in seinen Grundfesten ausmacht. Für mich sind Christ*innen und die christlichen Kirchen gefordert, sich nicht nur zu distanzieren, sondern Rechtspopulisten, Verschwörungstheoretiker und Demokratieverächter aus ihren Reihen zu verbannen. Auch wenn es dafür vielleicht Kirchenaustritte hagelt. Besser Kirchenmitglieder verlieren als Glaubwürdigkeit.Am 23. Februar wird der neue Bundestag gewählt und wir haben die Wahl, in welcher Welt wir leben möchten. Das gilt auch für Christ*innen. Es gibt viele in unseren eigenen Reihen, die sagen, Kirche ist nicht von dieser Welt und soll sich deshalb aus der Politik raushalten. Das mag theologisch richtig sein, aber Kirche existiert nun mal in dieser Welt und ist damit auch verantwortlich, was in dieser Welt geschieht. Wenn in Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund diffamiert werden, wenn Synagogen beschmiert und in den sozialen Medien Hass verbreitet wird, ist auch für Christ*innen eine rote Linie überschritten.

„Was ihr einem meiner geringsten Brüder (und Schwestern) antut, das tut ihr mir an“,

deutlicher konnte Jesus nicht werden. Unsere Brüder und Schwestern leben mitten unter uns und sie werden als erste die Leidtragenden sein, wenn die rechten Brunnenvergifter noch mehr Einfluss bekommen.

Hoffen wir, dass der 23. Februar 2025 nicht auch ein Tag sein wird, der uns in Erinnerung bleibt, weil wir es ja gewusst, aber zu wenig getan haben.

Autor*in

Florian Geith

Landesjugendpfarrer