Perspektivprozess für die Evangelische Jugendarbeit
„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“
Unter dieses Bibelwort aus dem Hebräerbrief stellt die Evangelische Kirche der Pfalz ihren Priorisierungsprozess mit der Frage, wie die Landeskirche im Jahr 2035 inhaltlich und finanziell aufgestellt sein soll.
Nicht nur für die „verfasste Erwachsenenkirche“ gilt es, sich den derzeit herrschenden gesellschaftlichen Realitäten anzupassen, sondern auch Jugendarbeit und Jugendverband sind herausgefordert, sich den veränderten Lebenswelten und Bedingungen des Aufwachsens junger Menschen anzupassen, neue Angebotsformen und Beteiligungsstrukturen zu entwickeln und auf eine fortschreitende Individualisierung des Glaubenslebens zu reagieren.
Den rechtlichen Rahmen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bilden die Ordnung der Evangelischen Jugend der Pfalz sowie die Rahmenkonzeption für die Arbeit der Zentralstellen evangelischer Kinder- und Jugendarbeit in der Evangelischen Kirche der Pfalz. Diese stammen aus dem Jahr 2004 bzw. dem Jahr 2007. Einer Zeit, in der die ersten Smartphones auf den Markt kamen, ehrenamtliches Engagement in der Regel auf Dauer angelegt wurde und die psychische Belastung junger Menschen deutlich geringer war.
Heute, ca. 20 Jahre später, ist das Digitale zur realen Welt geworden. Zwischen digitaler und analoger Kommunikation wird – auch qualitativ – kaum noch unterschieden. Dauerhaftes ehrenamtliches Engagement weicht zunehmend dem kurzfristigen Einsatz. Studien belegen, dass 1/3 aller Jugendlichen unter Einsamkeit und sozialer Isolation leiden, 20 % geben an, dringend professionelle Hilfe zu benötigen. Obwohl bei der jungen Generation eine erhöhte Sehnsucht nach Vergemeinschaftung, religiöser Sinnsuche und Spiritualität erkennbar ist, erhöht sich jedoch signifikant die Distanz zur Institution Kirche.
Die Liste der Veränderungen und Herausforderungen könnte an dieser Stelle noch deutlich verlängert werden. Bereits die angesprochenen lebensweltlichen Veränderungen machen deutlich, dass Evangelische Jugend – sowohl als Jugendverband, als auch als kirchlich organisierte Jugendarbeit, sich anpassen muss. Vor diesem Hintergrund hat die Evangelische Jugend Pfalz einen Perspektivprozess angestoßen, mit dem Ziel, ein Strategiepapier zu entwickeln und so einen Ausblick auf die Jugendarbeit der nächsten 10 bis 15 Jahre zu geben. Dabei gilt es gesellschaftliche Veränderungen ebenso in den Blick zu nehmen, wie den derzeitigen innerkirchlichen Priorisierungsprozess.
Denn klar ist, Kinder und Jugendliche sind Gegenwart und Zukunft von Kirche. Für eine gelingende Kinder- und Jugendarbeit braucht es klare und verlässliche Organisationsformen, Räumlichkeiten, eine finanzielle und personelle Ausstattung und eine qualitativ hochwertige fachliche Ausbildung und Begleitung.
Klar ist aber auch, einiges wird bleiben, einiges wird sich ändern und anderes wird ganz verschwinden. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.