Das war „Demokratie leben!“ in der Alten Welt

Profil

Die Ideenschmiede Alte Welt – Entwicklungszentrum ländlicher Raum in Reipoltskirchen ist seit dem 31.Dezember 2024 Geschichte. Hier war von März 2020 bis Dezember 2024 der Standort des Demokratie leben!-Projekts „Die Dorfraum-Entwickler – partizipative Jugendarbeit im ländlichen Raum“. Das Projekt war Teil der Initiative „Alte Welt im Aufbruch“, die sich vielfältigen Aufgabenstellungen in der strukturschwachen Region „Alte Welt“ annimmt. Hier arbeiten die vier Landkreise Donnersberg, Kaiserslautern, Bad Kreuznach und Kusel, mit der Ev. Kirche der Pfalz, vertreten durch das Landesjugendpfarramt, und das Dekanat an Alsenz und Lauter zusammen. Mit dem Auslaufen des Projektes endet die Trägerschaft des Landesjugendpfarramtes und damit unser Engagement in der Initiative.

Die drei Säulen des Projektes waren die Dorfforschung, die Alte-Welt-Bau-Wagen und der Alte-Welt-Spiele-Wagen. Unglücklicherweise fielen die ersten beiden Projekt-Jahre ausgerechnet mit der Corona-Pandemie und den damit zusammenhängenden Restriktionen zusammen. In dieser Zeit neue Kontakte zu knüpfen war eine Herausforderung und das Erfüllen der Auflagen selbst für Outdoor-Aktionen aufwendig. Hinzu kamen diverse Personalwechsel, die dazu führten, dass nicht immer alle drei Stellen voll besetzt waren. Erst ab Mai 2023 waren kontinuierlich drei Personen im Projekt beschäftigt, die die verschiedenen Arbeitsbereiche unter sich aufgeteilt haben.

Das Regionalentwicklungsprojekt „Dorfraumentwickler“ ermöglichte es 137 Jugendlichen aus 26 Ortschaften, ihre Heimat neu zu entdecken. Durch Interviews und Aktionen erforschten sie die Lebenswirklichkeiten ihrer Dörfer und dokumentierten diese. Besonders erfolgreich war die Kombination aus Forschung und gemeinschaftsfördernden Bauwagen-Aktivitäten, die den Jugendlichen half, sich intensiv mit ihrer Umgebung auseinanderzusetzen. Das Projekt verfolgte das Ziel, das Bewusstsein der Jugendlichen für ihre eigene Biografie und die Besonderheiten ihrer Dörfer zu stärken. In Orten wie Gerbach entstand ein starker Gemeinschaftssinn, während in anderen Dörfern eher Einzelkämpfer-Mentalität vorherrschte. Auch ein besseres Verständnis für Dorfstrukturen und kommunale Politikstile entwickelte sich. Die jungen Teilnehmer setzten sich intensiv mit den Herausforderungen ihrer Region auseinander und zeigten dabei, dass ihnen die Zukunft ihrer Heimat wichtig ist.

Den Abschluss bildeten zwei feierliche Präsentationen, bei denen die Jugendlichen ihre Ergebnisse vorstellten und mit Zertifikaten ausgezeichnet wurden. Das Projekt „Dorfraumentwickler“ zeigte eindrucksvoll, dass die Beschäftigung mit der eigenen Heimat nicht nur das Wissen über lokale Gegebenheiten vertieft, sondern auch das Selbstbewusstsein der jungen Menschen stärkt und sie als aktiven Teil ihrer Dorfgemeinschaft festigt. So entstand nicht nur ein tieferes Verständnis für die Heimat, sondern auch der Wunsch, aktiv zur Weiterentwicklung ihrer Dörfer beizutragen.

Nach dem die dafür vorgesehene Stelle mit genau der richtigen Person besetzt werden konnte, kamen die beiden Alte-Welt-Bau-Wagen endlich zum Einsatz. Beide Bauwagen standen mehrere Monate in Bisterschied, Münsterappel, Glanbrücken und Lauschied und wurden dort als mobiler Jugendtreff genutzt. Sie brachten dort Jugendliche zusammen, um ihnen einen Raum zur Entfaltung, Kreativität und Gemeinschaft zu bieten. Jede Gemeinde bot dabei einzigartige Herausforderungen und Chancen, was den Erfolg des Projekts in den jeweiligen Orten beeinflusste. Die Jugendgruppen wurden vom Projekt-Team begleitet, das ein-zweimal pro Woche vor Ort war. Es stand den Jugendlichen darüber hinaus aber jederzeit telefonisch zur Seite, denn die Jugendlichen hatten einen eigenen Schlüssel für den Bauwagen. Sie konnten daher ihren Jugendtreff täglich eigenverantwortlich nutzen. Je nach Alters-Zusammensetzung der Gruppen plante man gemeinsame Spiel- und Bastelangebote, aber auch besondere Aktionen wie Filmabende, Bauwagen-Feste und gemeinsame Ausflüge. Die Nutzung schloss die Umgestaltung der Bauwagen sowohl von innen als auch von außen ein, was von den Jugendlichen rege genutzt wurde. In Glanbrücken und in Lauschied werden die Jugendtreffs auch nach dem Abzug der Bauwagen in neuen Räumlichkeiten weitergeführt.

Trotz Personalwechsel war der Alte Welt-Spiele Wagen über die gesamte Projektlaufzeit unterwegs. Natürlich waren die ersten Jahre durch die Pandemie umständlich und die Besucherzahlen überschaubar. Das Durchhalten hat sich aber gelohnt. In der letzten Saison 2024 fanden rund 2500 Besucher ihren Weg zu den Aktionen in der Alten Welt, mit ihren zeitweisen sehr dehnbaren Grenzen. Die Aktionen des Alte-Welt-Spiele-Wagen wurden und werden vor allem von Kindern und ihren Familien besucht. Mit Hilfe von Freiwilligen vor Ort war es möglich, die Großspiele um unterschiedliche Spiel- und Bastelideen und kulinarische Angebote zu bereichern. Von den 54 Dörfern, die der Alte-Welt-Spiele-Wagen im Laufe des Projektes besucht hat, waren sehr viele dabei, die zweimal oder öfter das Angebot angefragt haben.

Auch 2025, nach dem offiziellen Projekt-Ende kann der Alte-Welt-Spiele-Wagen eine neue Sommer-Tour planen. Möglich machen es die Landeskirche und das Dekanat an Alsenz und Lauter, zu dessen Bezirk ein großer Teil der Alten Welt gehört. Um dieses niederschwellige Freizeitangebot für Familien zu erhalten und ihren Beitrag zur strukturellen Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit im Rahmen der Initiative Alte Welt im Aufbruch zu leisten, wird die Landeskirche die Stelle der Mitarbeiterin im Spielewagen, wie auch während der Projektphase, weiter finanzieren. So kann das Angebot mit einer leicht abgewandelten Konzeption weitergeführt werden. Eine wichtige Neuerung ist die bewusste Ermutigung zur Einbindung der Kirchengemeinden in die Aktionen. Auf diese Weise soll das kirchliche Engagement im ländlichen Raum mehr zu Tage treten, als es bislang der Fall war.

Wenn man die Frage beantworten sollte, was dieses Projekt in der Alten Welt bewirkt hat, dann würde unsere Antwort lauten: eine beginnende Änderung in der Selbstwahrnehmung der Region. Während vor fünf Jahren die Alte Welt noch immer erst im Nachbardorf anfing, ist man heute stolz darauf zur Alten Welt zu gehören. Viele Dörfer besinnen sich mittlerweile auf die vorhandenen Stärken der Region. Dazu gehören nicht nur die reizvolle Landschaft, sondern auch die dörflichen Traditionen im Jahresverlauf. In der Alten Welt leben nicht die von der Moderne „abgehängten“, sondern diejenigen, die bei allen Unzulänglichkeiten immer noch eine Lösung parat haben, so eines der Ergebnisse der Dorfforschung. Das „Gesehen werden“ hat nicht nur den beteiligten Dörfern gutgetan, sondern insbesondere den Jugendlichen, die ihre Bedürfnisse deutlich machen konnten und durch die Forschung zu Expert*innen ihre Region wurden. Dies hat ihr Selbstbewusstsein gestärkt und ihr Auftreten in der Dorfgemeinschaft verändert. Bleibt zu hoffen, dass die guten Erfahrungen nach dem Auslaufen des Projekts erhalten bleiben und nicht wieder versanden.