Menstruationsgerechtigkeit – ein Thema für die Jugendarbeit?!

Jugendpolitik

JA, finden die Verbände, die sich im Landesjugendring zusammengeschlossen haben.
Im April 2024 verabschiedete die Vollversammlung des Landesjugendring RLP einstimmig die Position: „Menstruationsgerechtigkeit für Alle: Maßnahmen gegen Periodenarmut in Rheinland-Pfalz“

Der Beschluss enthält fünf Forderungen.

Die Forderung 3 wendet sich direkt an die Jugendverbände:

Die Mitgliedsverbände im Landesjugendring Rheinland-Pfalz werden mit Blick auf deren Häuser, Geschäftsstellen und Veranstaltungen dazu angeregt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, eine Sensibilisierung zu schaffen und eigene Lösungen umzusetzen. Außerdem soll geprüft werden, inwiefern die Thematik in Schulungsformaten, sexualpädagogischen Konzepten sowie institutionellen Schutzkonzepten für Prävention von sexualisierter Gewalt aufgegriffen werden kann.

Die Evangelische Jugend auf Bundesebene hat sich bereits im Jahr 2022 für kostenlose Menstruationsprodukte ausgesprochen.

Warum sollte die Evangelische Jugend der Pfalz sich spätestens jetzt mit dieser Thematik beschäftigen? Beim Neujahrsempfang der Evangelischen Jugend im Martin Butzer Haus wurde die Kampagne „ANPACKEN! Aktiv gegen Ausgrenzung durch Armut von Jugendlichen und Kindern“ eröffnet.  Menstruationsprodukte sind teuer (ca. 46,- Euro im Monat) und eine Belastung für Menschen mit geringen Einkommen. Laut Statista (https://de.statista.com )  ist ein Teil unserer Zielgruppe, nämlich Frauen und Mädchen zwischen 16 und 24 Jahren, deutlich häufiger von Periodenarmut betroffen als ältere Frauen. Als Evangelische Jugend stehen wir regelmäßig für Geschlechtergerechtigkeit ein, wir kennen den Gender Pay Gap und andere geschlechtsspezifische Benachteiligungen.

Wenn wir als Evangelische Jugend der Pfalz einen Schutzraum zur Verfügung stellen wollen,

  • in dem sich junge Menschen entwickeln können
  • in dem Tabuisierung und Scham für Menstruierende nicht nötig sind
  • wo Periodentabu und Periodenarmut ein Thema sind
  • in dem sich Menschen aller geschlechtlicher Identität sicher und wohlfühlen
  • In dem Teilnahmebedingungen niedrigschwellig sind,

dann sollten wir uns mit dem Themen Menstruationsgerechtigkeit und Periodenarmut beschäftigen und Voraussetzungen schaffen, die diesen Anspruch unterstützen.

Dazu gehören Maßnahmen, wie sie ihm Beschluss des Landesjugendrings angeregt sind.

  • Bereitstellung von frei zugänglichen Periodenprodukten und Wärmflaschen in den Gruppenräumen und bei Veranstaltungen, sowie Entsorgungsmöglichkeiten.
  • Möglichkeiten des Rückzugs während Veranstaltungen, auch aus einer verantwortlichen Rolle heraus.
  • Schaffung einer offenen Gesprächskultur, bei der es möglich ist, über Probleme und Bedürfnisse während der Periode zu sprechen.

Was kann das konkret bedeuten?

  • In unseren Tagungshäusern sollen Menstruationsartikel kostenfrei zur Verfügung stehen. Die Teilnehmenden sollen wissen, wo diese zu erhalten sind. Die Tagungshäuser überlegen sich dazu ein passendes Konzept, indem veröffentlicht wird, dass es diese Möglichkeiten gibt und der Zugang zu Menstruationsprodukten ohne Hürden möglich ist.
  • Kostenlose Menstruationsprodukte gehören in den Materialbestand von Freizeiten der entsprechenden Altersgruppe, der Zugang dazu muss kommuniziert werden.
  • Bei Maßnahmen der Evangelischen Jugend der Pfalz darf das Thema Menstruationsbeschwerden und ihre Auswirkungen kein Tabuthema sein, sondern sollte als Gelegenheit genutzt werden, das Thema aus der „Schamecke“ herauszuholen.
  • Unterstützende Maßnahmen wie z.B. Wärmflasche oder ein heißer Tee sollen zur Verfügung stehen.
  • Teamerinnen sollen beratend für menstruierende Menschen da sein.
  • Wir setzen uns aktiv gegen Antifeminismus und Queerfeindlichkeit ein und  für mehr Geschlechtergerechtigkeit.

Darüber nachdenken, vorbereiten, umsetzen!

Autor*in

Volker Steinberg

Referent Jugendpolitik